meineberater_Zugriff von Facebook auf WhatsApp-Daten
Erich von Maurnböck

Erich von Maurnböck

Jetzt aber wirklich: Hände und Handy weg von WhatsApp!

Benutzen Sie WhatsApp? Wenn ja, dann haben Sie bestimmt schon gelesen, dass es Änderungen im WhatApp-Datenschutz gibt, durch die man die Nachrichten-App ab 8. Februar nur noch nutzen kann, wenn man den veränderten Nutzungsbedingungen zustimmt. Worum es dabei genau geht und warum wir Ihnen raten, auf eine sichere Alternative umzusteigen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Seit Jänner gibt es viel Wind um eine bevorstehende Änderung der weltweiten Datenschutzrichtlinien des Kommunikationsdienstes WhatsApp, die aber angeblich nicht die Europäische Union betreffen. Nutzer müssen darin zustimmen, dass ihre Daten von nun an vom gesamten Facebook-Unternehmen, zu dem der Nachrichtendienst seit einigen Jahren zählt, verwendet werden dürfen. Darunter fallen unter anderem das Adressbuch mit Telefonnummern, Profilnamen, Profilbilder und Statusmeldungen.

Zwar wird erklärt, dass keine Informationen, die WhatsApp weitergibt, für Facebook-Unternehmen Verwendung finden. Aber: gleichzeitig erfolgt der Hinweis darauf, dass WhatsApp mit anderen Facebook-Unternehmen Daten teilt, um Dienste „zu betreiben, anzubieten, zu verbessern, zu verstehen, zu individualisieren, zu unterstützen und zu vermarkten“. Daten dürfen so innerhalb des Konzerns unbeschränkt weitergegeben werden. Zusätzlich wird erläutert, dass Facebook für die Bereitstellung von Analysediensten Telefonnummer, Geräteinformation und weitere Informationen von WhatsApp erhält. Auch Personen, die gar nicht auf Facebook sind, sondern nur WhatsApp nutzen, sind dabei betroffen.

Um im Unternehmen DGSVO-konform unterwegs zu sein, wird schon seit Jahren darauf hingewiesen, dass WhatsApp kein datenschutzsicherer Kommunikationsdienst ist und daher nicht verwendet werden darf – Stichwort Datenübertragung in die USA sämtlicher gespeicherter Kontakte. Wir empfehlen Ihnen den neuen Bedingungen nicht zuzustimmen und die App künftig nicht mehr zu benutzen. Für einige Nutzer können die Änderungen bei WhatsApp eine Gelegenheit sein, auch die private Kommunikation datenschutzsicherer zu gestalten.

WhatsApp hat nach Protesten etwas zurückgerudert und gemeint, bis 1. Mai ändert sich für europäische Nutzer nichts. Das heißt, WhatsApp-Nutzer haben genau jetzt die Zeit und die Gelegenheit DSGVO-konform zu werden.

Wir zeigen Ihnen hier Alternativen und unsere Empfehlungen für sichere Nachrichtendienste auf und auch, welche wir nicht empfehlen können:

Empfehlenswert

Signal

Sicherheit wird bei Signal großgeschrieben: Private Nachrichten und Gruppenchats sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt und die Telefonnummern werden nur anonymisiert an den Server übermittelt. Zudem wird der Messenger-Dienst von einer gemeinnützige Stiftung geführt. Signal ist Open-Source und somit kann der Code von jedem geprüft werden (auch wir verlassen uns dabei auf Spezialisten, die das prüfen, zum Beispiel den Heise Verlag). Wir selbst haben Signal seit Kurzem auch im Einsatz und empfehlen diese App.

Threema

Threema ist ein freier und ebenso Ende-zu-Ende-verschlüsselter Messaging-Dienst aus der Schweiz, der wie auch Signal datenschutzsicherer als WhatsApp ist. Im Gegensatz zu Signal und Ginglo ist Threema jedoch nicht kostenlos. Es werden einmalige Zahlungen oder monatliche Zahlungen (Business Variante) verlangt.

Ginglo

Ginglo ist die Nachfolger Messenger-App von SIMSme der Deutschen Post. Hierbei werden keine Daten an Server außerhalb der Europäischen Union übertragen, eine Vollverschlüsselung ist inbegriffen. Zur Nutzung muss die Handynummer angegeben werden und der Zugriff auf gespeicherte Kontakte ist möglich, aber nicht zwingend erforderlich. Außerdem kann in jedem Chat für einzelne Nachrichten die Selbstzerstörung gewählt werden.

MS Teams (kein reiner Messenger)

Egal ob man Microsoft einsetzt oder nicht, der kostenlose MS Teams Dienst bietet ebenfalls die Möglichkeit zum sicheren Austausch von Daten, Chats sowie Sprach- und Videotelefonie.

Bedingt empfehlenswert

Teleguard

Teleguard ist noch ganz neu unter den Messenger-Apps. Es verspricht viel und sammelt wenige Daten. Da das Programm noch ganz neu ist und nur wenig Details bekannt sind, geben wir nur eine bedingte Empfehlung ab.

Nicht empfehlenswert

Telegram

Bei Telegram wird alles, was die Nutzer schreiben, zentral gespeichert und bei Bedarf ausgeliefert. Genauer gesagt, alles was man in die App tippt, wird schon an den Telegram-Server gesendet, bevor es abschickt wird. Dieser Server hat also Zugriff auf eine komplette Kopie aller Chats. Theoretisch hat Telegram zwar sogenannte „geheime Chats“, die vor dem Mitlesen durch Dritte gesichert sind. Aber die sind so gut versteckt, dass sie die meisten Telegram-Nutzer nicht einmal kennen, geschweige denn benutzen. Außerdem ist es eine beliebte Plattform für Verschwörungstheoretiker – auch aus diesem Grund ist die App nicht empfehlenswert.

Skype

Um Skype nutzen zu können, brauchen Sie ein Konto bei Microsoft. Ob andere Nutzer Ihre personenbezogenen Daten sehen, können Sie selbst einstellen. Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gibt es nur, wenn Sie eine „private Unterhaltung“ führen. Weiters ist bekannt, dass Microsoft Gespräche mit Skype in China auswerten hat lassen und dabei offenbar nicht einmal die minimalsten Datenschutzanforderungen erfüllt. Auch bei Videokonferenzen bietet das kostenfreie Skype keinen hinreichenden Datenschutz.

Wire

Wire lässt sich nicht ohne Angabe eines Namens und einer Handynummer oder E-Mail-Adresse nutzen. Da Wire übergreifend auf Smartphone und Rechner genutzt werden kann, werden Nachrichteninhalte verschlüsselt auf Servern zwischengespeichert, bis diese zugestellt sind. Genutzt werden nach Angaben des Unternehmens in der Europäischen Union befindliche Server von Amazon. Allerdings werden Metadaten auf den Wire-Servern in den USA gespeichert. Da sich der Sitz des Eigentümers in den USA befindet, dürfen die amerikanischen Behörden ohne weiteres auf alle dort gespeicherten Daten zugreifen.

Falls Sie noch Fragen zu WhatsApp oder den sicheren Alternativen haben sollten, kontaktieren Sie uns jederzeit gerne. Wir freuen uns auf Ihre Anfrage und unterstützen Sie und Ihr Unternehmen sehr gerne.

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